Schwäbisch-Bayrische Radtour

In 7 Rad – Etappen von Lindau nach Ulm mit einem Abstecher zu König Ludwigs Märchenschloss und der Fuggerstadt Augsburg

Inhaltsverzeichnis

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1. Etappe Friedrichshafen nach Lindau

Sonntag, 9.9.2012 Um 9:30 sind wir zu Hause gestartet und zum Bahnhof Bad Säckingen geradelt. Bahntickets hatten wir am Tag zuvor im Internet ausgedruckt und dort auch die Info gefunden, dass Räder in Baden Württemberg (einige Strecken ausgenommen) frei sind.
Das Einsteigen und die Fahrt waren sehr entspannt. Es hatte sich offensichtlich gelohnt, nicht den ersten Zug Richtung Bodensee zu nehmen. Zu dieser Uhrzeit waren deutlich weniger Radfahrer mit der Bahn unterwegs.

Der Zugbegleiter zeigte sich erst kurz vor Überlingen. Schade, er vermisste unsere Radtickets. Ich erklärte ihm daraufhin, dass ich im Internet die Info gefunden hatte, dass Räder auf dieser Strecke nichts kosten. Ein bisschen verunsichert war ich  schon und der Hinweis, der mir ständig ins Auge sprang, dass „Fahren ohne gültigen Fahrausweis“ mindestens 40,00 Euro kostet, ließ mich auch nicht ganz so locker mit dem Knipser diskutieren. Aber ich dachte mir, besser in die Offensive gehen, als demütig 40,00 Euro zu zahlen. Also gab ich dem Mann den guten Tipp, er solle doch selbst einmal im Internet nachschauen. Er gab mir den Tipp, am Abend für die Heimfahrt ein Radtagesticket zu kaufen. Ich habe ihm nicht verraten, dass wir an diesem Abend gar nicht mehr zurückfahren würden.
Auf jeden Fall hatten wir Glück und sind mit einem blauen Auge davon gekommen. Ich bin übrigens immer noch der Meinung, dass meine Interpretation bezüglich der Radtickets richtig ist, würde mich nächstes Mal aber lieber doch am Schalter klug machen. 

2. Etappe von Lindau nach Immenstadt

Montag, 10.09.2012

Nachdem wir noch einige Korrekturen an unseren Karten- und Lenkertaschenhalterungen vorgenommen hatten, ging es um 9:00 in Lindau bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen los. Die ersten 4 km bis Zech konnten wir gemütlich und eben am See einrollen. Dann war Schluss mit „gemütlich“. Es ging definitiv bergauf. Die ersten 1,5 Stunden wechselten kurze, etwas heftigere Steigungen mit längeren sehr sanften Steigungen ab. Gelegentlich durften wir auch bergab fahren. Ab Maria Thann war der Spaß dann endgültig vorbei und die  die Bergauf-Passagen legten kräftig zu.

3. Etappe von Immenstadt nach Füssen

Dienstag, 11.09.2012

Trotz aller Drohungen der Wetterfrösche hatten wir bisher noch Glück mit dem Wetter. Der angekündigte Wettersturz ließ noch auf sich warten. Wir konnten also wieder kurzärmlig starten. Füssen hatten wir ins Auge gefasst, weil wir davon ausgingen, dass es dort interessanter wäre den folgenden Tag zu verbringen, als in einem einsamen Hotel in Mitten von Kühen. Erstes war anzunehmen, dass an diesem Dienstagabend das Wetter sich dann doch ändern würde und zweitens lockte ein Ruhetag mit Besuch in der königlichen Kristall-Therme in Schwangau.

Regen-Ruhetag in Füssen

Mittwoch, 12.09. 2012

Nun war er tatsächlich gekommen, der Wettersturz mit Kälte und Regen.

Wir hatten schon Mühe die 20 m von unserer Pizzeria zur Markthalle einigermaßen trocken zu schaffen. Die Markthalle war unsere „Frühstücksstube“ und unser Coffee-to-go Lieferant. Gestärkt durch das leckere Frühstück machten wir uns zur Stadtbesichtigung, bzw. zu unserem  ersten Stadtrundlauf in Füssen auf.

Die Altstadt ist so groß, dass es Spaß macht durchzubummeln, aber auch so klein, dass wir es geschafft haben mit und ohne Schirm mehrere Runden zu drehen. Der Schirm war eine Investition, die ich auf einer Radtour nicht eingeplant hatte, die uns aber gute Dienste  erwiesen hat. Wir werden zukünftig unser Reisegepäck um diese 300 gr erweitern.

Füssen bietet genügend Schaufenster und Leute, die es sich zu betrachten lohnt. Wir kennen ja noch nicht viele Oberbayrische Städte. Füssen scheint aber mit zu den Lederhosen-Dirndl-Zentren zu gehören. Tja, der Tourist will wohl jeden Bayern in diesem Outfit sehen.  Ich konnte Norbert nicht überzeugen, sich so eine nette kleine Lederhosenkombi für 199,00 Euro zuzulegen. Na ja, vielleicht hätte er es gemacht, wenn ich im Dirndl mit hoch geschobenem Busen durch die Straßen flaniert wäre.

An  so einem Fahrrad freien Tag hatten wir nun auch einmal  Gelegenheit in Ruhe zu lesen, ohne Gefahr zu laufen, dass uns nach wenigen Minuten die Augen zu  und die Ebook-reader aus der Hand fielen.

Da die Wetteraussichten auch für den nächsten Tag noch nicht sehr viel versprechend waren, beschlossen wir unsere Ferienwohnung zu verlängern und gleich morgens in die Kaisertherme zu fahren.

 

Donnerstag, 13.09

Nachdem Petrus am Mittwoch alle Regendrohungen wahr gemacht hatte, war das Wetter nun schon wieder etwas besser, aber der Sommer hatte sich definitiv verabschiedet. Es war lausig kalt und regnete immer mal wieder.

Die Fahrräder hatten einen weiteren freien Tag  in der Pizzeria und wir fuhren, nachdem wir wieder ausgiebig in „unserer“ Markthalle gefrühstückt hatten, mit dem öffentlichen Bus nach Schwangau, um in die Therme zu gehen und natürlich einen Blick auf das Schloss Neuschwanenstein zu werfen. Die Busfahrt gab uns das Titiseegefühl. Wir waren umzingelt von einer Vielzahl Asiaten, die alles, auch die vorbeirauschenden Bäume fotografierten. Vielleicht gehören diese Reisenden einer Testmannschaft von Nikon, Samsung oder wie sie gerade heißen an. Schade, der Schloßblick war nun nicht so wie erwartet. Wir konnten ein Baugerüst bewundern.

Da taten uns natürlich die weit gereisten Urlauber leid. Um Baugerüste zu sehen, hätten sie bestimmt nicht so weit fahren müssen.  Ein Gesamteindruck des Schlosses verfolgte uns aber noch lange auf diversen Postkarten, Bildern, Wandmalereien usw.-  vor Füssen, in Füssen und hinter Füssen . Ganz Bayern ist eben ein bisschen Ludwig II.. Ich befürchte, die weit gereisten Gäste aus Asien nehmen das nachher so mit in ihre Heimat und stellen sich vor, dass wir alle im Dirndl und Lederhosen als kleine Ludwig Fans durch die Berge streifen.

Wir hatten zwar keinen tollen Blick (Blick schon, aber nicht toll) auf das Schloss, genossen aber auf jeden Fall den Ruhetag in der Kristall-Therme in Schwangau..

4. Etappe von Füssen nach Landsberg / Lech

Nach dem Markthallenfrühstück ging es wieder auf die Räder. Der Wetterbericht hatte Temperaturen um 1°C angedroht. Vielleicht war es nicht ganz so kalt, aber mehr als 5° hatten wir auf keinen Fall. Wohl wissend und nun leider auch fühlend, dass der Sommer endgültig vorbei war, holten wir schon zur Abfahrt die erste Schicht unserer dickeren Klamotten raus. Nach wenigen Kilometern mussten wir noch eine Lage zulegen. Eine Mütze und eine weitere Jacke bewahrten uns vor Erfrierungen auf dem Rad. So war es auszuhalten, aber wir sehnten uns nach den warmen Tagen vom Wochenanfang zurück und freuten uns nun über jedes Teilstückchen der Tour, das nicht im Schatten oder im Wald verlief. Wir hatten uns entschieden den Königsseeradweg am heutigen Tag zu verlassen und der Romantischen Strasse, den Lech abwärts fahrend, zunächst bis Augsburg zu folgen.

Bevor es ruhig am Lech entlang ging, waren aber bis zur Wieskirche noch einige Höhenmeter zu fahren. Schließlich waren wir bis dorthin ja noch auf dem Königsseeradrweg. Auf diesem ersten Stück führte uns das Allgäu  seine Rindviecher nun einmal in Berrührungsentfernung vor. Der sehr schöne Radweg schlängelte sich durch einen Wald bis zu einem Kuhgatter und verlief dahinter  weiter.  Ich war froh, keine Kühe direkt hinter dem Gatter in Lauerstellung zu sehen, ahnte aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht, das der Weg eine Biegung machte und wir direkt durch die kleine Herde fahren durften.

 Ich erinnerte mich sofort an eine ähnliche Situation auf Mallorca, bei der ich mich ganz alleine vielen Rindviechern gegenüber sah und heldenhaft cool an diesen Tieren vorbei fuhr. Hier fühlte ich mich nun doch viel stärker, hatte ich doch Norbert dabei. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, warum ich  mich mit ihm eigentlich in einer Kuhherde sicherer fühle, denn für den geborenen Rinderflüsterer oder Cowboy halte ich ihn nun wirklich nicht.

Auf jeden Fall erreichten wir bald die Wieskirche und konnten uns an dem schönen Blick auf die Alpen erfreuen. Die Sonne strahlte wieder, lief aber nicht mehr zu so guter Form auf, dass wir sommerlich gekleidet weiterfahren konnten. Wir konnten lediglich nach 2 Stunden Fahrt eine Schicht Klamotten wieder verstauen. Leider hatten wir uns zu diesem Kleiderwechsel oben an der Wieskirche entschieden. Irgendwie ist es uns in der Freude über die wärmeren Temperaturen total entglitten, dass wir oben auf einer Anhöhe standen und uns nach Schongau noch eine kalte Abfahrt bevor stand.  Wie gesagt, die Sonne gab sich zwar Mühe, hatte aber nicht mehr die Kraft und mehrere Kilometer im Schatten bergab sind auch nicht das tollste Wärmeerlebnis. >Ursprünglich hatten wir geplant, an dieser Kirche mit schöner Aussicht eine Pause einzulegen. Nachdem wir vor der Abfahrt in Füssen noch einmal die letzten Etappen diskutiert hatten und uns erinnerten, wie sich nach einer Weile die Oberschenkel anfühlen, wenn sie keine Pausen bekommen, diese zu spät eingeplant werden oder zu kurz sind, hatten wir uns von diesem Tage an vorgenommen, die Pausen sinnvoll einzuhalten und nicht erst dann, wenn man schon k.o.  ist oder die Beine schwer geworden sind. Leider klappte das mal wieder nicht so richtig. Es schienen uns auf dieser Radtour die Baustellen zu verfolgen. Wir entflohen an der Wieskirche dem Baulärm und machten uns vorzeitig auf den Weg nach Schongau, wo wir zum Vesper auf einem recht ungemütlichen Stadtplatz einkehrten.

Gut gestärkt und  einigermaßen erholt, fuhren wir weiter. Der Plan war, nur noch ein gutes Stündchen  zu fahren. Das wären dann rund 70 km. Wir wollten es ja gemütlich angehen. So hätten wir dann die Strecke bis nach  Augsburg  in 2 gleichmäßige Tagesetappen aufgeteilt. Die Karte gab an, dass es in 14 km, im Ort Leeder einen Gasthof gäbe und noch jeweils im Abstand von ca. 3 bis 5 km zwei weitere. Was sollte da schon schief gehen. Uns reichten ja zwei freie Betten. In Leeder hatte der Gasthof aufgegeben und von den insgesamt 3 Gasthöfen in dieser Menschen verlassenen Gegend gab es nur noch einen, der ausgebucht war. Im Nachhinein war es klar. Wir bewegten uns auf einer Strecke, parallel zur Autostrecke „Romantische Strasse“ und wahrscheinlich werden auch Autofahrer mal müde und suchen ein Bett und die hatten bestimmt total spießig schon Wochen vorher ihre Etappen geplant und die Zimmer gebucht. Das Ende vom Lied war, dass wir dann doch bis nach Landsberg  gefahren sind und aus den geplanten maximal  70 km für diesen Tag 90 km  geworden sind.

Landsberg am Lech präsentierte sich, wie sollte es bei dieser Radtour auch anders sein, als riesige Baustelle. Denkt man sich die weg, ist es bestimmt ein sehr nettes Städtchen. Norbert fand wenig Gefallen an Landsberg, weil ihm nicht sofort unzählige Gasthöfe ins Auge sprangen. Auf jeden Fall fanden wir sehr schnell einen Gasthof zum Übernachten. Wir kamen sehr bayrisch im Gasthof „Zum Mohren“ unter. Die urbayrische Speisekarte und der Duft nach Sauerkraut konnten uns, besser gesagt, Norberts Pizza verwöhnten Gaumen, nicht zum Abendessen in diesem Haus begeistern. Die Zimmer hatten allerdings noch einen sehr königlichen Touch. Unser Bett wurde von König Ludwig -Vorhängen eingerahmt, Bilder seiner Majestät schmückten die Wände. Dafür gab es keine Glotze. Ludwig II. hätte das bestimmt auch nicht gewollt. 

Der Blick auf sein Antlitz hätte den Gästen wohl reichen müssen. Nach 90 km und 5:45 Stunden Fahrzeit kümmerte uns das wenig. Wir schlenderten noch durch das alte Städtchen, fanden zu Norberts Beruhigung  eine Pizzeria und fielen dann doch recht bald ins Bett.

5. Etappe von Landsberg / Lech nach Augsburg

Samstag, 15.09.2012

Wir starteten wieder in leichter Winterausrüstung. Einzig auf die Mütze konnten wir verzichten. Die Sonne zeigte sich leider nicht, wenigstens war von Regen  (noch)  nichts zu spüren. Der Radweg führte uns fernab jeglicher Zivilisation ab und an durch kleine Dörfer, später lange Zeit durch den Wald. Den Traum von einem netten Kaffeepäuschen gaben wir schnell auf. Einen Bäcker oder ähnliches gab es nirgends. Wahrscheinlich leben die Leute in dieser Region von dem, was ihr Hof hergibt. Nach 51 km und 3 Stunden Fahrt hatten wir endlich Augsburg und damit unser Tagesziel erreicht.

6. Etappe von Augsburg nach Dillingen

Sonntag, 16.09.2012

Nach einem ausgiebigen, leckeren Frühstück im Hotel holten wir unsere Räder wieder aus der Tiefgarage. Was war das für ein Luxus. Wir mussten die Räder weder hoch- noch runter tragen und konnten zudem sogar noch mit dem Fahrstuhl von der Zimmeretage bis an die Räder heran fahren. Es gab also noch nicht einmal das elende Puckeln der Radtaschen durch enge Treppenhäuser.

Die Fahrräder waren wieder beladen, wir waren warm eingepackt, hatten aber die leichteren Sachen griffbereit in den Satteltaschen. Schon am Tag zuvor hatten wir, was das Wärmeempfinden angeht, sehr interessante Begegnungen. Mal abgesehen davon, dass Norbert und ich offensichtlich auch durch unterschiedliche Klimazonen zu fahren scheinen, gab es noch weit von unserem Wärmeempfinden entfernt, die Dauersommertypen. Wir sahen Fußgänger und Radfahrer bei Temperaturen unter 10°C in leichtester Sommerbekleidung (Mädels im Spaghetti Top, Männer mit kurzärmligen Shirts auf dem Rad).  Da liegt doch die Frage auf der Hand, welche Droge diese Menschen konsumiert hatten, wo die zu erhalten ist und ob sie Nebenwirkungen hat. Die ultimative Körperheizungsdroge könnte ja des Radlers Gepäck drastisch reduzieren.

Viel Zeit hatten wir nicht, uns um derlei Dinge Gedanken zu machen, denn uns stand der erste spannende Moment  bevor. Wir mussten wieder aus Augsburg hinaus finden und das nicht auf einer vorgegebenen, markierten Route. Als einzige Information hatten wir im Internet gelesen, dass wir Richtung Westen nach Neusäß fahren mussten, um an den Weldenbahnradweg (auch als Landrat-Dr.-Rey-Radweg bezeichnet) zu kommen. Anhand des Sonnenstandes versuchten wir die Himmelsrichtung auszumachen, müssen aber zu geben, dass das Ergebnis noch nicht Dschungel tauglich war. Wir hatten beide sehr gegensätzliche Meinungen, wo Westen liegen könnte.

Nach unserer gestrigen Stadtbesichtigung kannten wir ja wenigstens schon einmal einen Startpunkt in Augsburg von dem wir uns entsprechende Hinweisschilder erhofften. Die vorhandenen Schilder halfen uns dann doch nicht weiter, weil wir keine Karte hatten und am Tag zuvor nur einige Ortschaften an diesem Radweg im Internet genannt wurden. Aber wozu haben wir einen Mund, wir konnten ja fragen. Dieses Mal hatten wir sogar Glück, weder einen Touristen anzusprechen, noch einen gerade Zugereisten oder einen Ausländer. Uns lief ein Straßenbahnschaffner über den Weg. Offensichtlich mussten wir dorthin, wohin er mehrmals täglich mit seiner Straßenbahn fährt. Er konnte uns bestens erklären wo die Straßenbahnschienen entlang führten und bis zu welchem Punkt wir uns daran orientieren sollten. Das hat dann auch super geklappt und wir kamen auf die richtige Spur. Was waren wir froh, dass wir an einem Sonntag morgen aufgebrochen sind und auf dieser Strecke die Straße mit nur wenigen Autos teilen mussten.

Der Bahnradweg war richtig schön. Er führte viel durch den Wald, war fernab aller Straßen und hatte einen sehr gut befahrbaren Belag und war, was für uns auch wichtig war, gut beschildert – jedenfalls bis Welden. Danach kamen wir etwas ins Schwimmen. Die nächsten Orte, die wir uns notiert hatten, waren ohne Karte nicht mehr so einfach zu finden. Auf jeden Fall kamen wir beim Umherirren an einem urigen Biergarten in Zusamzell bei Altenmünster vorbei, wo wir uns für ein Päuschen niederließen, bevor wir uns schließlich auf die Suche nach dem Donauriedradweg machen wollten.

Glücklicherweise begegnete uns beim Weiterfahren ein Radfahrer mit Karte, der offensichtlich auch Orientierungsprobleme hatte. Er ließ uns einen Blick in die Karte werfen und konnte uns wenigsten schon mal sagen, wo wir uns überhaupt befanden. Es war alles ganz harmlos. Wir waren nur knapp 500 m neben unserem vorgesehenen Weg, hätten aber ohne Karte nicht den richtigen Einstieg gefunden. Da wir uns im Zusamtal befanden (ja so einen Fluss gibt es und ich freue mich schon auf das nächste Stad-Land-Fluß-Spiel bei dem ich dann bei „Fluss mit Z“ punkten kann) mussten wir zunächst aufwärts fahren. Überrascht waren wir, wie tief sich das Zusamtal in die Landschaft eingegraben hatte, denn es ging ziemlich lange aufwärts. Sowohl die Aufwärts- als auch die anschließende Abwärtsstrecke fuhren sich sehr mühsam. Es war ein geschotterter Weg, der frisch mit grobem Sand ausgeglichen wurde. Jetzt wissen wir auch was „gesandete Strecke“ in den Routenbeschreibungen bedeutet. Mein Herz hängt nicht an solchen Wegen.

Endlich im Donautal angekommen, waren zwar die Wege gut befahrbar, aber dafür das Fahren neben abgeernteten Feldern und Maisflächen nicht allzu spannend.

Nach insgesamt 55 km und knapp 4,5 Stunden Fahrzeit hatten wir Dillingen an der Donau erreicht. Gleich am Ortseingang der Altstadt fanden wir im Gasthaus Traube eine sehr Radfahrer freundliche Unterkunft.

Was für Norbert sehr wichtig war, die hatten eine durchgehende Küche. Also das Essen war auch gesichert und wir konnten dann mit vollem Bauch in Ruhe durch die Altstadt schlendern.

Abgesehen von den letzten Kilometern im Donautal war diese Strecke von Augsburg nach Dillingen recht schön. Wir waren froh, dass wir uns dazu entschieden hatten, nicht weiter am Lech Richtung Donauwörth zu fahren.

7. Etappe von Dillingen nach Ulm und Heimfahrt nach Wehr

Die letzte Etappe dieser Radtour stand uns an diesem sonnigen, aber eiskalten Morgen bevor. Mit Blick auf den kommenden Wetterbericht hatten wir uns entschieden in Ulm abzubrechen und heimzufahren.

Es sollten zwar 23°C werden. Davon war aber gegen 9:00 Uhr noch nichts zu erahnen. Ich fing heldenhaft mit einem kurzen Radshirt, den schwarzen Ärmel und meiner Weste an. Wir hatten Dillingen noch nicht verlassen, als ich mich entschloss die Weste gegen die winddichte, etwas dickere Jacke zu tauschen und eine Mütze unter dem Helm anzuziehen. Andernfalls wären mir wahrscheinlich bis Günzburg die Ohren abgefallen.
In Günzburg, wir hatten dort etwa die Hälfte der Tagesstrecke geschafft, war Pause angesagt. Wenigstens am letzten Tag wollten wir völlig entspannt unsere Pausen einlegen. Die Sonne hatte sich endlich auch ein bisschen kräftiger durchsetzen können, so dass Jacke und Mütze wieder verschwinden konnten. An kurzärmliges Fahren war nicht zu denken. Mit Spätsommer oder ähnlichem hatten die Temperaturen auch noch nicht viel zu tun. Die Temperaturen stiegen wirklich sehr schleppend an. Vielleicht wollte Petrus uns in unserer Entscheidung an dieser Stelle die Radtour zu beenden nur noch bestätigen.
Gegen 13:00 erreichten wir Ulm. Die Züge fahren alle 2 Stunden. Da wir Ulm schon kannten, entschieden wir uns dafür den Zug um 14:00 zu nehmen und verzichteten auf einen Stadtbummel. 

Im übrigen habe ich mich in der Zwischenzeit klug gemacht und weiß nun, dass ich in dem Zug auf der Hinfahrt auch die Räder in der Bahn  hätte bezahlen müssen. Für die Rückfahrt haben wir alle Infos am Automaten eingegeben und sind dann für insgesamt 35 Euro (BW-Ticket und 2 Räder) heimgefahren. Mit dem Preis konnten wir gut leben.

So waren wir um 17:00 in Bad Säckingen und konnten bei endlich warmen Temperaturen und Helligkeit heimradeln.